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Interview mit Johanna Wanka, der Bundesministerin für Bildung und Forschung: "In den Bereichen Wissenschaft und Technologie ergänzen sich Deutschland und Japan gegenseitig"

  • 06.10.2016

Bundesministerin Johanna Wanka reiste zur Teilnahme am Treffen der G7-Wissenschaftsminister in Tsukuba vom 15. bis 17. Mai 2016 nach Japan. Am 18. Mai hielt sie an der Keio Universität einen Vortrag, zudem nahm sie teil an der Postersession bezüglich deutsch-japanischer Clusterkooperationen. Das DWIH Tokyo, das dieses Event mitgesponsort hat, hielt ein Interview mit der Bundesministerin.

Im Mai reisten Sie anlässlich des Treffens der G7-Wissenschaftsminister in Tsukuba nach Japan. War dies Ihr erster Aufenthalt in Japan? Mit welchen Eindrücken sind Sie nach Deutschland zurückgekehrt?

Ja, es war mein erster Aufenthalt in Japan. Japan ist ein sehr beeindruckendes Land, mit dem uns zahlreiche Gemeinsamkeiten verbinden. Wir haben dieselben Herausforderungen, etwa den demografischen Wandel unserer Gesellschaften oder die Sicherung der Energieversorgung, zu bewältigen, haben aber auch Ähnlichkeit in wichtigen Tugenden wie Verlässlichkeit und Beständigkeit. Japan und Deutschland ergänzen sich in vielen Bereichen, gerade auch in Wissenschaft und Technologie. All dies sind ideale Voraussetzungen, um das gemeinsame Potential in bilateralen Kooperationen auszubauen.

Eine wichtige Rolle bei der internationalen Vernetzung der deutschen Wissenschaft und Wirtschaft spielen Cluster und weitere technologie- und branchenübergreifende regionale Netzwerke. Es besteht bereits eine Reihe von deutsch-japanischen Projekten auf Cluster-Ebene. Sie konnten sich vor Ort in Japan ein Bild von einzelnen deutsch-japanischen Cluster-Kooperationen machen. Wie können deutsche Cluster von regionalen Netzwerken in Japan profitieren?

Über die Jahre sind durch direkte Kontakte regionale deutsch-japanische Kooperationen entstanden. Diese Clusterkooperationen involvieren Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen und sie folgen einer Innovationsstrategie, die mit allen Partnern entwickelt wird. Bedenkt man die große geographische Distanz, ist es schon bemerkenswert, dass unsere beiden Länder so intensiv auf Augenhöhe kooperieren. Japan und Deutschland scheinen in der Technologieentwicklung zu harmonieren. Ein gutes Beispiel ist die Kooperation zwischen dem Netzwerk Organic Electronic Saxony (OES) mit dem Cluster der organischen Elektronik in Yonezawa. Die japanischen Kooperationspartner bringen ihr Wissen über elektronische Werkstoffe und die deutschen vor allem Produktions-Knowhow ein. Am Ende sollen durch die Verbindung dieser komplementären Kompetenzen und durch gegenseitige Lerneffekte Innovationen entstehen, beispielsweise neue flexible und druckbare Solarzellen.

Mit der seit Beginn des Jahres laufenden Fördermaßnahme des BMBF zur "Internationalisierung von Spitzenclustern, Zukunftsprojekten und vergleichbaren Netzwerken" wurde ein wichtiger Impuls gegeben, um die Kooperation deutscher Exzellenznetzwerke mit Partnernetzen im Ausland weiter voranzutreiben. Welche Chancen bietet die Initiative für die Vertiefung bestehender und den Aufbau neuer deutsch-japanischer Netzwerke auf regionaler Ebene?

Große! Drei Vorhaben, die auf Kooperationen mit japanischen Regionen und die Vorbereitung von gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprojekten zielen, sind am 1. Januar 2016 gestartet. Neben dem bereits genannten Organic Electronics Saxony sind das OptoNet e.V. in Thüringen "Global Power: Photonische Lösungen für Zukunftsfragen", die Kontakte mit der Region Hamamatsu ausbauen, und der Cluster Leistungselektronik im ECPE e.V. "Die nächste Generation der Leistungselektronik - Leistungshalbleiter - Bauelemente mit hohem Bandabstand und deren Systemintegration", der mit der Region Tokio/Osaka zusammenarbeiten will, zu nennen. In der gerade abgeschlossenen zweiten Auswahlrunde haben mit dem Sport-Innovations-Netzwerk (SINN) in München, das sich mit neuen Material- und Fertigungskonzepten im Anwendungsfeld "Sport der Zukunft" beschäftigt, und dem Münchner Biotech Cluster im Bereich der individualisierten Medizin nochmals zwei der elf ausgewählten Bewerbungen japanische Partner im Blick. Eine dritte Runde folgt im Dezember.

Gegenwärtig wird die Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung überarbeitet. Gibt es bereits Informationen zum Inhalt, die Sie teilen können?

Mit der Internationalisierungsstrategie hat die Bundesregierung im Jahr 2008 zum ersten Mal einen Rahmen für eine kohärente internationale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung definiert. Deutschland war damit international ein Vorreiter. Seitdem haben sich neue Trends und Herausforderungen ergeben, die maßgebliche Auswirkungen auf die internationale Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und Forschung haben. Dazu gehören die zunehmende Globalisierung, die Digitalisierung, die Weiterentwicklung des Europäischen Forschungsraums und die Herausbildung neuer, globaler Innovationszentren außerhalb der etablierten Wissenschaftsstandorte. Darauf gilt es zu reagieren. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Vernetzung der Akteure: wir müssen die Vernetzung national, europäisch und international verstärken und Synergien besser als bisher nutzen.

Sie sind Schirmherrin des German Innovation Award (GIA), der von deutschen Unternehmen gestiftet wird und japanische Nachwuchswissenschaftler/-innen auszeichnet. Es wurden bereits mehr als 50 Forscher ausgezeichnet. Was ist das Besondere an diesem Preis?

Das Besondere ist die Würdigung anwendungsorientierter und innovativer Forschung junger japanischer Natur- und Ingenieurwissenschaftler in den für unsere beiden Länder zentralen Bereichen Mobilität, Materialforschung, Lebenswissenschaften und Energie/Industrie. Wir unterstützen damit wirtschaftsnahe Forschung in Zukunftsbereichen. Außerdem ermöglicht die Auszeichnung den Preisträgern einen bis zu zweimonatigen Forschungsaufenthalt in Deutschland.

Foto: BMBF

 

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