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Japanische Universitäten bilden Fachkräfte für Rückbau von Atomkraftwerken aus

  • 03.12.2014

An mehreren japanischen Universitäten werden ab 2015 Studiengänge zur Ausbildung von Spezialisten für den Rückbau von Kernkraftwerken eingerichtet. Die Initiative wird vom Forschungsministerium (MEXT) gefördert und zielt auf eine enge Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung im Bereich der Nachwuchsförderung.

Foto: IAEA Imagebank

Die Universität Tokyo, das Tokyo Institute of Technology sowie die Universität Tohoku werden unter anderem eng mit japanischen Energiekonzernen zusammenarbeiten, um spezialisierte Ingenieure auf zukünftige Anforderungen vorzubereiten.

An der Universität Tokyo sollen hierfür ab Herbst nächsten Jahres für Studierende des Faches „Nuclear Energy Engineering“ und verwandten Studiengängen spezielle Lehrveranstaltungen für Reaktorrückbau angeboten werden. Durch den Informationsaustausch mit Tepco, dem Betreiber des havarierten Fukushima Daiichi Kernkraftwerks, will die Universität ihren Studenten  Kenntnisse im Umgang mit ferngesteuerten Robotern und kontaminiertem Grundwasser vermitteln. Die Seminare werden zudem auch als Fernkurse an den Universitäten Kyushu und Kyoto sowie dem Fukushima National College of Technology angeboten.  Jährlich sollen sich rund 100 Studierende in das Programm einschreiben, wobei an der Universität Tokyo selbst rund 30 Studienplätze geplant sind.

Parallel dazu wird am Tokyo Institute of Technology ab April ein ähnliches Programm in Zusammenarbeit mit dem International Research Institute for Nuclear Decommissioning (IRID), einer Organisation zur Koordinierung der Forschungsaktivitäten im Rückbau, welche unter anderem von Tepco, Mitsubishi Heavy, Toshiba und anderen ins Leben gerufen wurde, eingerichtet. Als Teil des Programms werden die Studierenden beispielsweise auch vor Ort ein Training am Kraftwerk Fukushima Daiichi durchführen.

Die Universität Tohoku wird als Teil des Projektes ab Januar eine Forschungsgruppe für den Austausch relevanter Informationen einrichten.

Insgesamt werden die drei Universitäten im Fiskaljahr 2014 knapp 200 Mio. Yen (ca. 1,3 Mio. Euro) vom MEXT für ihre jeweiligen Projekte erhalten. Es ist zudem wahrscheinlich, dass die öffentliche Förderung noch über das nächste Jahr hinaus aufrechterhalten wird und weitere Hochschulen im Westen Japans dazu kommen.

Japan verfügt aktuell über 48 Atomreaktoren, von denen sieben über 40 Jahre alt sind. Die Betreiber prüfen zurzeit den Rückbau von mindestens fünf dieser älteren Anlagen. Das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) kalkuliert die Kosten für den Rückbau eines Reaktors mit einem Verlust von rund 21 Mrd. Yen (ca. 142 Mio. Euro) für den jeweiligen Betreiber. Derzeit wird versucht diese Kosten durch rechtliche Anpassungen teilweise auf die Verbraucher umzulegen, um die Belastung für die Stromunternehmen zu verringern.

Da ein Großteil der erfahrenen Nuklearingenieure Japans innerhalb der nächsten 10 bis 15 Jahre in den Ruhestand gehen wird ist die Weitergabe ihrer Expertise an die jüngere Generation ein dringendes Anliegen. Diesen neuen Experten und ihrem Wissen über Nukleartechnik und Sicherheitsmanagement wird zudem eine künftige Schlüsselrolle beim Neustart von Japans Kernkraftwerken sowie dem Export von Atomtechnologie zugeschrieben.

Quelle: Nikkei

 

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