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Interview mit Prof. Dr. Martin Faulstich, Geschäftsführer CUTEC Institut, Technische Universität Clausthal

  • 20.11.2013

Herr Professor Faulstich, Thema Ihres Vortrages war „Die Zukunft der Industriegesellschaft“. Lassen Sie uns zunächst aber über die Gegenwart sprechen. Wo stehen wir heute bei Umweltschutz und Nachhaltigkeit?

Beim sogenannten nachsorgenden Umweltschutz, also bei der Abwasserreinigung, der Luftreinhaltung und der Abfallbeseitigung haben die Industrieländer zweifelsohne große Erfolge erzielt. Weltweit steigen jedoch der Verbrauch fossiler Rohstoffe, die Treibhausgasemissionen sowie der Abbau mineralischer und metallischer Rohstoffe weiterhin unverändert an. Da sind wir also von der Nachhaltigkeit noch weit entfernt.

Was empfehlen Sie als Vorsitzender des Sachverständigenrates für Umweltfragen der deutschen Bundesregierung? Welche Lösungsansätze sehen sie?

Wichtig ist vor allem, eine Langfristperspektive einzunehmen. Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass es in einer begrenzten Welt kein unbegrenztes materielles Wachstum geben kann. Noch ist unser Wirtschafts- und Sozialsystem auf ständiges Wachstum ausgerichtet. Wir müssen uns jedoch Gedanken machen, wie unsere Gesellschaft auch bei niedrigen Wachstumsraten stabil bleiben kann.

Sie plädieren für eine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch. Wie kann diese Entkopplung funktionieren?

Diese Entkopplung kann nur gelingen, wenn wir einerseits auf regenerative Energien umsteigen und andererseits die erschöpfbaren Ressourcen, insbesondere die Metalle, weitegehend in geschlossenen Kreisläufen bewegen. Natürlich stellt sich auch die Frage, ob unsere materialintensiven Lebensstile global verallgemeinerungsfähig sind.

Deutschland will sich in wenigen Jahrzehnten "decarbonisieren", also seine Energieversorgung vollständig auf erneuerbare Quellen umstellen. Wo sehen Sie die großen Herausforderungen für Industrieländer wie Japan und Deutschland und wo sehen Sie trotz der sehr unterschiedlichen politischen Entwicklungen Potential für eine Zusammenarbeit?

Den Stromsektor vollständig zu "decarbonisieren" ist vergleichsweise einfach. Die große Herausforderung besteht darin, langfristig auch den gesamten Verkehrs- und Industriesektor von fossilen auf erneuerbare Energien umzustellen. Da bieten sich beste Chancen für eine intensive Zusammenarbeit von Japan und Deutschland und auch erhebliche industriepolitische Chancen für beide Länder.

 

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