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Deutsche Innovationen im Geburtsland der CNT – Interview mit Dr. Péter Krüger, Leiter der Innovationsallianz CNT

  • 20.02.2013

In den letzten Jahren haben Entwicklungen mit Kohlenstoffnanoröhren (Carbon Nanotubes, CNT) aufgrund ihrer überlegenen Materialeigenschaften ein enormes Interesse erfahren. Um dieses Potenzial gezielt umzusetzen, wurde mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die Innovationsallianz CNT (Inno.CNT) gegründet. Das DWIH Tokyo führte anlässlich des gemeinsam veranstalteten Workshops in Tokyo am 29. Januar ein Interview mit dem Leiter der Innovationsallianz Inno.CNT, Dr. Peter Krüger.

Herr Dr. Krüger, was sind eigentlich Carbon Nanotubes und in welchen Bereichen können diese eingesetzt werden?

CNT sind mikroskopisch kleine Kohlenstoffröhren mit einzigartigen Materialeigenschaften. Man kann sie sich auch als aufgerollte Graphitschichten vorstellen. Die Kohlenstoffröhren besitzen einen Durchmesser im Bereich von etwa 1 bis 100 Nanometer. Damit sind sie größenordnungsmäßig ca. 1.000 Mal kleiner als ein menschliches Haar, besitzen dabei aber eine vielfach höhere spezifische Festigkeit als Stahl. Zudem verfügen sie über sehr gute elektrische und thermische Leitfähigkeiten.

Erste Produkte mit CNT sind beispielsweise im Freizeit- und Sportbereich bereits auf dem Markt, etwa Tennisschläger. In kleinen Mengen wurden CNT im Kunststoff des Rahmens und im Griff verarbeitet. Ein weiteres Beispiel sind mit CNT modifizierte leitfähige, leichte und hochfeste Kunststoffe, mit denen Teile der Außenhaut von Formel-1-Wagen, Flugzeugen und Autos geformt werden können.

Die mit CNT denkbaren neuen Anwendungsfelder und Problemlösungen sind ungeheuer vielfältig und könnten in vielen neuen Produkten wie Ultrahochleistungsbetonen, elektrisch leitfähigen verdruckbaren Tinten, in Rotorblättern für effizientere Windkraftanlagen, neuartigen Membranen für sauberes Trinkwasser oder in Brennstoffzellen zum Einsatz kommen. Abzusehen ist das volle Potenzial von CNT aber momentan immer noch nicht.

Wie ist die Innovationsallianz Carbon Nanotubes (CNT) organisiert und was soll mit der Initiative erreicht werden?

Inno.CNT ist ein eng vernetzter Forschungsverbund, an dem rund 90 namhafte Partner aus Wissenschaft und Industrie beteiligt sind. Insgesamt besteht die Initiative aus 27 Projekten in den Anwendungs-bereichen Energie und Umwelt, Mobilität und Leichtbau und Elektronik. Mithilfe unseres Netzwerks können wir das Know-how aller Partner effektiver nutzen und hohe Synergien generieren. Es findet ein stetiger Informationsfluss entlang und zwischen verschiedenen Wertschöpfungsketten von der Wissenschaft in die Industrie und umgekehrt statt. Der Transport der Industriebedürfnisse in die Hochschule ist dabei sehr wichtig.

Langfristiges Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum der deutschen Industrie im Technologiebereich der neuen Werkstoffe zu stärken und die Zeitspanne, die neue Produkte bis zum Markteintritt brauchen, deutlich zu verkürzen.

Was war für Inno.CNT der Anlass, sich in Japan zu engagieren?

Um langfristig erfolgreich zu sein, muss man global agieren und Verbindungen in die großen Regionen dieser Welt, wie die USA und Asien, schaffen. Deshalb müssen wir uns international präsentieren wie hier in Japan bei unserem gemeinsamen Workshop oder auf der Nanotech 2013.

Japan, als Geburtsland der CNT, ist sowohl in der Forschung wie auch in den Anwendungen äußerst stark. Viele ausländische Unternehmen und auch einige Partner aus Inno.CNT kommen nach Japan in der Hoffnung, dass hier ihre Entwicklungen schneller in Anwendungen umgesetzt werden können als vielleicht in Europa. Und die Resonanz und das Interesse an Kooperationen sind in Japan ausgesprochen groß.

Es wird von verschiedenen Seiten immer wieder auf die Gesundheitsrisiken von Nanopartikeln hingewiesen,  CNTs könnten etwa ähnlich wirken wie Asbest. Wie gehen Sie das Thema Sicherheit an und wie ist die Situation in Japan?

Sowohl in Japan wie auch in Deutschland weiß man, dass für die erfolgreiche Kommerzialisierung von Innovationen die Produktsicherheit für Mensch und Umwelt frühzeitig intensiv thematisiert werden muss. Die Erforschung von gesundheitlichen Risiken und Umweltverträglichkeit bei der Nutzung von CNTs ist daher ein integraler Bestandteil der Innovationsstrategie von Unternehmen und daher ein wesentliches Element bei der Inno.CNT. Hierfür haben wir eigens die Projekte CarboSafe und CarboLifeCycle ins Leben gerufen. Bei diesen Projekten geht es um die Sicherheitsforschung entlang der Lebenszyklen von CNT Produkten. Auch in Japan ist die Sicherheitsforschung mittlerweile ein zentraler Aspekt der CNT Forschung geworden.

 

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