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„Die Energiewende ist eine Fundgrube für wissenschaftliche Herausforderungen“ – Im Gespräch mit Professor Klaus Töpfer

  • 01.08.2012

Langfristigkeit, Energieeffizienz, ein internationaler Blick: als Umweltminister war Klaus Töpfer einer der Ersten, die sich in Deutschland mit der Energiewende befassten. Als ehemaliger Umweltminister der Bundesrepublik, der 1987 unmittelbar nach Tschernobyl sein Amt angetreten hatte, gehört Klaus Töpfer zu den zentralen Wegbereitern der Energiewende in Deutschland. Bei einem Luncheon-Seminar des DWIH Tokyo brachte er seine Erfahrungen Japan näher.

(Photo: DWIH Tokyo)

Japan steht seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima vor überwältigenden energiepolitischen Fragen. Obwohl achtzig Prozent der Bevölkerung inzwischen den Atomausstieg befürworten, tun sich Regierung und Wirtschaft mit nachhaltigen Entscheidungen zur Umsetzung einer Energiewende schwer. Die Situation in Japan ist zwar nicht in jeder Hinsicht mit der deutschen vergleichbar, doch gibt es Erfahrungswerte, die genutzt werden können.

Das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus Tokyo lud den Exekutivdirektor des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) am 25. Juli zu einem Vortrag im Rahmen eines Luncheon mit 85 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in das Grand Hyatt Tokyo ein.

Die Notwendigkeit von langfristigem Denken und Handeln sei eine Lehre, die sich aus dem Umgang mit der Situation in Deutschland ziehen ließ, so Töpfer. Die Debatte über einen Ausstieg aus der Kernkraft habe nicht erst mit dem Bundestagsbeschluss im Juni letzten Jahres begonnen - sondern 25 Jahre zuvor, mit der Erkenntnis nach der Katastrophe in Tschernobyl, dass es so nicht weitergehen könne. Laut Töpfer sei zudem ein internationaler Blick unabdingbar, denn gerade im Bereich Energie könne selbst eine Region wie Europa zukünftig bei einer Weltbevölkerung von potentiell neun Milliarden Menschen nur noch fünf Prozent beitragen. Letztlich müssten neben der Frage nach alternativer Energiegewinnung aber auch das Thema Energieeffizienz ins Zentrum gerückt werden und gegenwärtig im Einsatz befindliche Technologien weiter entwickelt werden, die auf fossilen Brennstoffen basieren. Denn dass diese noch lange eine Rolle spielen werden, sei nicht von der Hand zu weisen.

 

(Photo: DWIH Tokyo)

In Deutschland habe man mit dem Einsatz einer Ethikkommission für sichere Energieversorgung versucht, "die breite Öffentlichkeit in Entscheidungsprozesse bezüglich der Energieversorgung mit einzubeziehen. Es sollte verdeutlicht werden, dass solche Beschlüsse nicht nur an den ökonomischen und technischen Fragen festgemacht werden, sondern vielmehr noch an den Wertestrukturen einer Gesellschaft", so Töpfer im anschließenden Interview mit dem DWIH. "Die Beteiligung der Bevölkerung ist wichtig. Auf der technischen Seite sind wir uns bewusst, dass wir noch unendlich viel zu lernen haben und uns stetig weiterentwickeln müssen. Die Energiewende ist eine "Fundgrube" für wissenschaftlich-technische Herausforderungen und ich sehe mit großer Freude, dass diese von der deutschen Wissenschaft positiv aufgegriffen werden."

Mit Blick auf die zukünftige Entwicklung in Japan hofft Töpfer, dass langfristig ein stärkerer Fokus auf die Geothermie gelegt werden wird. Japan habe hierfür hervorragende geologische Voraussetzungen.

 

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